EVAG-Rangierdienst: Spätschicht bis 26.15 Uhr

Wolfgang Katzmarek

Es ist nach 20 Uhr. Mal schauen, hab ich auch alles? Sicherheitsschuhe an, Check, Warnweste an, Check, Handy, Check, Block und Kuli, Check – und los. Es ist dunkel draußen, und das Wetter ist usselig. Ich laufe an der Reststoffsammelstelle vorbei, und schnell hinein in das erste Tor der Ausfahrtshallen. Ich habe eine Verabredung mit Wolfgang „Katsche“ Katzmarek – er ist Rangierfahrer in unserem Betriebshof für Busse an der Ruhrallee. Und er arbeitet in der Spätschicht.

Eine kleine Gruppe Frauen und Männer schaut mich freundlich fragend an – die „Putzkolonne“. „Ich suche Wolfgang Katzmarek“, frage ich in die Gruppe – und die nette Antwort lautet: „Der kommt gleich, der holt einen Bus.“

Einmal Wischen, Tanken und Befüllen

Ein gelber Gelenkzug fährt in der Halle vor. Ein großer Mann steigt aus, nimmt den Tankrüssel in die Hand, um Diesel nachzufüllen. Er lächelt mich an. Wischt sich die Hände ab und läuft mir entgegen. „Herr Katzmarek?“ „Ja, guten Abend, Frau Neumann, Sie wollen mich heute begleiten?“ Schnell sind wir beim „Du“, und Wolfgang „Katsche“ Katzmarek nimmt mich ins Schlepptau.

Heute ist „AdBlue Tag“ – immer mittwochs werden die Dieselbusse mit AdBlue-Technologie zusätzlich zum Diesel mit der Harnstofflösung befüllt. Nach dem Betanken füllt Wolfgang Scheibenwischwasser auf, prüft Ölstand und Reifendruck. Nachdem diese Station fertig ist, zieht er den Bus vor, damit die Reinigungskräfte ihre Arbeit machen können.

Fuellmittel

Reif für die Wäsche

Während der Innenreinigung durch die „Putzkolonne“ schaut Wolfgang sich die Wagenkarte an, aktualisiert den Kilometerstand des Busses mit der Wagennummer 4501 und füllt Tachoscheiben nach. Er sichtet die Wagenkarte und entscheidet anhand der Einträge, ob der Bus zu den Kollegen in die Werkstatt muss. Beim 4501 ist alles okay. Nun sucht er einen freien Platz in einer der Abstellhallen für das Fahrzeug. Per Bildschirm erhält er einen kompletten Überblick über die freien Kapazitäten an Stellflächen. Wolfgang nimmt den Wagen 4501 mit der Maus und zieht ihn am Rechner auf einen Parkplatz in der Halle 2. Besetzt. Seine Kollegen Dieter und Rüdiger sehen das am anderen Monitor und wissen, dass dort nun ein Bus steht. Katsche winkt mich zu sich. Ich steige zu ihm in den Bus und wir fahren raus, über den Hof und in die Halle 2. Geparkt. Und auf zum nächsten Bus.

„Der ist reif für die Wäsche“ – gesagt, getan. Wir fahren zur Waschstraße – fast so, wie mit dem privaten PKW ist das hier. Nur in groß, und Wolfgang muss den Bus langsam selber durchfahren.

Waschen

Nach der Wäsche geht es wieder zurück in die Halle. Katsche checkt die Videokamera im Fahrzeug – der letzte Fahrer hat einen Mangel in der Übertragung in die Wagenkarte eingetragen. „Hm, funktioniert einwandfrei, den merk ich mir aber, den behalte ich im Auge.“

Die Schicht bis 26.15 Uhr

Die Spätschicht bei den EVAG-Rangierern beginnt um 18 Uhr und endet um 26.15 Uhr. Also um 2 Uhr 15 in der Früh. Damit der Diensteinteiler weiß, welche Schicht die Spätschicht ist. Eine Verwechslung mit der Frühschicht ist dann ausgeschlossen. Um 18 Uhr beginnen die Rangierer mit der Arbeitsvorbereitung – einer Sicht- und Dichtheitsprüfung. Sind alle Feuerlöscher zugänglich? Funktionieren die Tankplätze und sind die Zapfsäulen dicht? Funktioniert der Not-Aus-Schalter in der Waschstraße und so weiter. Dafür ist bis 18.30 Uhr Zeit. Dann kommt die „Putzkolonne“ und nimmt ihre Arbeit auf. Und Wolfgang und seine Kollegen liefern die Busse dazu. Die Rangierer übernehmen dann im so genannten Auffangbereich -hinter der Schranke an der Einfahrt- vom Busfahrer das Fahrzeug. Im 10-Minuten-Takt geht das so in der Stoßzeit der Rückkehrer. Vom Auffangbereich fahren Katsche und seine Männer alle Fahrzeuge erst einmal hinter die Hallen und parken dort die Busse. Ab da nehmen sich nacheinander jedes Fahrzeug einzeln vor. Um 23 Uhr ist Pausenzeit – für eine halbe Stunde. Die Pause machen sie alle gemeinsam.

„Unsere Mannschaft hier ist richtig toll, das funktioniert hier alles nur, weil jeder genau weiß, was er zu tun hat.“

Wolfgang lächelt mich an und sagt Tschüss. Mich fröstelt es äußerlich bei knapp 2 Grad über Null und innerlich ist mir wohl nach den freundlichen Stunden in der Nacht – hier im Betriebshof Ruhrallee. Ich verabschiede mich kurz vor ihrer Pause von den EVAG-Rangierern. Und ich komme gerne wieder – wir sind uns noch einen Kaffee schuldig. Bis bald, Katsche und Co. Um 23 Uhr dann!

IMG_20160316_200258

Der Begriff Rangieren wird abgeleitet von dem französischen Wort „ranger“. Was so viel heißt wie in Ordnung bringen, ordnen, aufstellen, einreihen, aufräumen. In einer Schicht laufen die EVAG-Rangierer zwischen 8 und 15 Kilometern an Wegen, um Busse zu holen und erneut zu parken.

AdBlue wird verwendet, um den Ausstoß von Stickoxiden bei Fahrzeugen zu reduzieren – das schreibt die Abgasnorm vor. Wird sie nicht regelmäßig nachgefüllt, lässt sich im schlimmsten Fall der Bus nicht mehr starten.

Die Reinigung: 86 Busse sind im Betriebshof Ruhrallee untergebracht und starten von hier aus ihre täglichen Fahrten im Linienbetrieb. Ihre Grundreinigung findet täglich statt – dann werden Decke, Fußboden, Haltestangen und Sitze gewischt. Je nach Intervall dann mit oder ohne Polsterreinigung. Alle drei Monate muss der Fahrzeugbestand das Reinigungsintervall einmal komplett durchlaufen haben.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sylvia Neumann

Sylvia Neumann

29.03.2016