Wegbereiter: nextTicket im Kilometertarif

Gibt man den Begriff „Dschungel“ bei Google ein, begegnet einem an erster Stelle folgende Definition:

„wirres Durcheinander, Undurchdringlichkeit, Undurchschaubarkeit“

Während die Internetsuchmaschine sich dabei auf einen dichten Tropenwald bezieht, fällt vielen in meinem Freundeskreis, oder auch bei meinen Arbeitskollegen eines dazu ein: das nicht ganz positiv gemeinte Synonym für das Tarifsystem des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr.

Wer jetzt an das Wort Tarifdschungel denkt, den kann ich gut verstehen. Zumal wenn man nicht täglich mit Bus und Bahn unterwegs ist, erschließt sich das Tarifsystem nicht zwingend sofort.

Nun gibt es mittlerweile hervorragende Hilfsmittel, wie zum Beispiel die Ruhrbahn-App „ZÄPP“. Dennoch wünschen sich viele Fahrgäste einen Tarif, bei dem man sich nicht vor jeder Fahrt informieren muss, welches der zahlreichen Tickets man denn heute kauft.

Und das wissen nicht nur wir bei der Ruhrbahn – das weiß natürlich auch der VRR: seit einigen Monaten läuft der sogenannte nextTicket-Praxistest, über den ich im Januar bereits berichtet habe.

Erfolgte das Check-In/Check-Out-Ticket bislang noch auf Basis des altbekannten „Tarifdschungels“, so fahren die Testkunden seit Anfang Juni im so genannten Kilometertarif. Dies ist eine signifikante Neuerung, bei der ein Festpreis (zwischen 1,40 Euro und 1,45 Euro) sowie 0,20 Euro pro angefangenen Kilometer abgerechnet werden. Der Preis wird also ähnlich kalkuliert wie beispielsweise beim Taxifahren – nur günstiger.

Jetzt stellt sich natürlich die wichtige Frage: „Zahle ich mit dem Kilometer-nextTicket mehr oder weniger als im herkömmlichen VRR-Tarif?“ Daher habe ich mit zwei Smartphones im Gepäck eine kleine Reise durchs Essener Stadtgebiet unternommen und bin dieser Frage auf den Grund gegangen.

Rüttenscheider Stern – Essen Hbf – Stadtwaldplatz

Los ging es für mich an der U-Bahn-Haltestelle Rüttenscheider Stern. Schnell die nextTicket-App auf dem iPhone geöffnet, eingecheckt (noch bei Tageslicht, da der Check-In unter der Erde hin und wieder an technischen Problemen scheitern kann) und rein in die U11. Mit Beginn der Fahrt sind die in Essen anfallenden 1,45 Euro Grundgebühr und 0,20 Euro für den ersten Kilometer quasi weg. Bei Kurzstreckenfahrten ist das nextTicket somit in jedem Fall teurer als das entsprechende Kurzstreckenticket, welches sich auf 1,60 Euro beläuft. Aber am Essener Hauptbahnhof ist meine Reise ja noch nicht beendet. Stattdessen begebe ich mich zum Bussteig 8 und nehme die Linie 145 zum Stadtwaldplatz. An der Zielhaltestelle angekommen und ausgecheckt komme ich auf 6 gefahrene Kilometer und somit auf 2,65 Euro. Somit ist das nextTicket hierbei geringfügig günstiger als ein EinzelTicket in Preisstufe A3 (2,80 Euro). Natürlich sind 4er- oder 10erTickets günstiger als 2,80 Euro; dem steht jedoch entgegen, dass jede fünfte Fahrt beim nextTicket-Kilometertarif kostenlos ist.

Stadtwaldplatz – Martinstraße

Für meine Rückfahrt wähle ich die Buslinie 142. Diesmal nutze ich ein Android-Smartphone aus dem Hause Samsung und checke ebenso problemlos ein wie auf dem iPhone. Vom Stadtwaldplatz fahre ich also nach Rüttenscheid, genauer gesagt zur Haltestelle Martinstraße. Für die vier Haltestellen würde ich im normalen Tarif erneut 2,80 Euro zahlen. Für die nextTicket-Fahrt mit einer Entfernung von knapp drei Kilometern, zahle ich hier allerdings nur 2,05 Euro – eine deutliche Ersparnis.

Mein Fazit zum Kilometertarif

Ein extrem spannender Ansatz, der schon jetzt – im Praxistest – für viele Gelegenheitsfahrer interessant sein dürfte. Ob eine Fahrt günstiger oder teurer als im herkömmlichen VRR-Tarif ausfällt, entscheidet der Einzelfall. Jedoch wird der VRR in der Auswertung des Praxistests auch die Preisgestaltung und die Rückmeldung dazu im Rahmen der Marktforschung bewerten; wie der Festpreis und der Kilometerpreis also bei einer möglichen Markteinführung wirklich ausfallen, steht heute noch nicht fest.

Ich bin jedenfalls froh, dass es eine Entwicklung in diese Richtung gibt und gespannt, wie wir Fahrgäste uns in Zukunft durch das Tarifsystem durchschlagen werden.

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