Schwarzfahrer wider Willen? Von defekten Automaten und Entwertern

Norbert Vößing und Philipp Kanka zeigen das komplizierte innenleben eines Moduls zur Banknotenverarbeitung

Norbert Vößing und Philipp Kanka zeigen das komplizierte innenleben eines Moduls zur Banknotenverarbeitung

Jeder hat es schon erlebt. Man kommt rechtzeitig an die H-Stelle.  In 2 Minuten kommt die Bahn, sagt die EVAG-App. Also noch schnell eine Fahrkarte am Automaten kaufen – denn man will ja schließlich nicht schwarzfahren. Doch dann das: Der Automat nimmt keine Münzen an. Sie fallen alle durch. Mist, noch eine Minute. Also den 20 Euro Schein rausgekramt. Den Geldschein will er auch nicht annehmen. Sch… Automat. Noch 30 Sekunden. Da hinten komm die 101 schon um die Kurve. Was tun?

Aber fangen wir zunächst bei den Fakten an, die Norbert Vößing, seines Zeichens Leiter Vertriebssysteme bei der  EVAG, am besten beantworten kann: „Wir haben in Essen 218 Ticketautomaten an den Haltestellen. Alle Automaten sind von der Firma ICA und nehmen sowohl Münzen als auch Geldscheine an bis zu einer Wechselgeldmenge von 9,95 Euro in Münzen. 2011 haben wir mit dem Austausch aller alten Automaten und der Modernisierung begonnen und im Dezember letzten Jahres haben wir den letzten 218ten Automaten aufgestellt. An den meist frequentiertesten Haltestellen verfügen die Automaten über zusätzliche sogenannte „Recycler“, die auch Fünf- oder Zehn-Euro-Scheine als Wechselgeld herausgeben. An allen 218 Automaten können die Kunden auch mit EC- oder Geldkarte bezahlen. Allerdings wollen die meisten das gar nicht. Weniger als fünf Prozent der Fahrgäste nutzen diese Möglichkeit.“

Und wie oft gehen die kaputt und was verdient die EVAG damit?

Die Automaten sind weniger oft defekt, als es einem vorkommt. Meistens fällt es dann auf, wenn man vor einem kaputten steht und sich darüber ärgert. Die Störungshäufigkeit aller Automaten beträgt im Durchschnitt 90 Tage. Heißt, dass ein Automat 90 Tage lang Störungsfrei ist, bis es zu einer neuen Störung kommt.. Die häufigste Ursache ist Vandalismus und Manipulation. Dabei lohnt sich gerade Letzteres überhaupt nicht, da die Automaten regelmäßig entleert werden. Und Vandalismus kommt der EVAG und damit allen Steuerzahlern teuer zu stehen, denn gut 23.000 Euro kostet ein solcher Automat. Die EVAG nimmt rund 10 Mio. Euro Einnahmen jedes Jahr über diesen Vertriebsweg ein, wobei gut 65 Prozent Banknoten sind und der Rest Münzen.

Dualis 2000 E heisst er, der neue Ticketautomat. Via erhaelt insgesamt 115 dieser neuen Automaten. Hersteller ist die Firma ICA Traffic aus Dortmund. Die ersten 45 Automaten fuer die MVG sind bereits bis November 2010 installiert und in Betrieb genommen worden. Walter Schoeneck testet den neuen Automaten kurz nach Inbetriebnahme.

Dualis 2000 E heisst er, der neue Ticketautomat.

Was tun, wenn der Automat kaputt ist und  ich mir keine Fahrkarte kaufen kann?

Jeder Fahrgast hat Anspruch auf Beförderung, sagen die VRR Beförderungsrichtlinien, wenn er denn eine gültige Fahrkarte hat. Für einen defekten Automaten kann aber ja der Fahrgast nichts. Einsteigen und Mitfahren bis zum nächsten Knotenpunkt ist erlaubt. Da muss dann eine Fahrkarte erworben werden. Wenn man unterwegs kontrolliert wird, dann erhält man einen sogenannten EBE-Beleg. (Erhöhtes Beförderungs Entgelt) Mit dem geht man dann einfach ins KundenCenter und wenn die Aussage korrekt ist und der Automat wirklich defekt war, dann wird auch keine Strafe für das Schwarzfahren fällig. Und wer Norbert Vößing einen Gefallen tun will, der informiert die EVAG und meldet den defekten Automaten. Am besten mit Angabe der H-Stelle und warum oder was nicht funktioniert hat. Die Automatennummer hilft auch weiter und steht unten rechts im Touch-Display.

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Schwarzfahrer wider Willen, Fall 2.

Der Automat funktioniert. Man hat sich eine Fahrkarte gekauft und steigt optimistisch in die Bahn und will abstempeln. Ups, was ist das. Der Entwertet funktioniert nicht. Ärgerlich. Also durch die vollbesetzte Bahn zum nächsten Entwerter. Mist, der funktioniert auch nicht. Gibt es noch einen Entwerter? Genau in dem Moment ertönt schon die bekannte Stimme: „Guten Tag, Ticketkontrolle, Ihre Fahrausweise bitte.“

Ticket also in der Hand, aber nicht abgestempelt, weil der Entwerter defekt ist. Ist man dann ein Schwarzfahrer?

Jürgen Sterzl, verantwortlich bei der EVAG für die Einnahmesicherung und Ticketkontrollen: „Jede Straßen- und U-Stadtbahn hat vier Entwerter. Im Gelenkbus sind zwei und in einem Solo Bus ein Entwerter. Ob Entwerter defekt sind, können die Kontrolleure direkt und sofort im Fahrzeug überprüfen. Sollte der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass alle Entwerter defekt sind, dann bitte vom Kontrolleur aufschreiben lassen und mit dem Beleg ins KundenCenter kommen. Im Nachgang lässt sich normalerweise eine Kulanzregelung treffen.“

Anmerkung zum Schluss: Eigentlich hat der Blog-Autor die geschilderten Probleme gar nicht, denn er besitzt ein Ticket 1000, Preisstufe A von der EVAG. Die Plastikkarte ist immer im Portemonnaie und das ist immer am Mann. Guter Trick eigentlich, wenn man jeden Tag mit der EVAG fährt.

2 Antworten zu “Schwarzfahrer wider Willen? Von defekten Automaten und Entwertern”

  1. Avatar Frank Buescher sagt:

    Da hat der Autor wohl das Glück gehabt, daß sein Ticket 1000 Preisstufe A auch noch nie defekt war.

  2. Avatar Automat sagt:

    Wieso sollte man überhaupt einen „EBE-Beleg“ erhalten, wenn doch derAutomat nachweislich und überprüfbar auf der entsprechenden Fahrt kaputt war?

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Olaf Frei

Olaf Frei

08.09.2015