Oldtimer der EVAG: Beiwagen 350 liebevoll restauriert

BW_3Pünktlich, bevor im Frühjahr die Saison der historischen Fahrzeuge beginnt, haben die Kollegen der Verkehrshistorischen Arbeitsgemeinschaft (VHAG) den hübschen, eckigen Wagen fertig gestellt. 15 Vereinsmitglieder haben sage und schreibe 3.000 ehrenamtliche Arbeitsstunden damit zugebracht, dieses gute, alte Vehikel stilecht zu restaurieren. Wie aus dem Ei gepellt glänzt der frisch lackierte historische Beiwagen 350 in Elfenbein mit flaschengrünem Dach. „Ein bisschen was ist noch zu tun, aber Anfang März haben wir den Wagen bei der Bremsen-Abnahme schon in Betrieb genommen. Jetzt steht er wieder gemeinsam mit dem Triebwagen 888 für historische Linienfahrten, Stadtrundfahrten oder für Partyfahrten zur Verfügung“, freut sich der Leiter der VHAG-Technikgruppe, Martin Ruhnau. „Wir alle haben Spaß am Werkeln und Basteln und setzen uns gern in unserer Freizeit dafür ein, dass die Erinnerung an die gute alte Tram aufrechterhalten wird.“

Die EVAG-Kollegen haben in ihrer Freizeit den historischen Beiwagen 350 restauriert.

Restaurieren macht viel Arbeit

In den vergangenen vier Jahren wurde der Beiwagen 350 vollkommen entkernt, bis auf den Grundrahmen „entblecht“, vollständig entrostet und dann die Karosserie neu aufgebaut und konserviert. „Zur Sanierung der Bodengruppe haben wir den alten Holzfußboden entfernt und später neu angefertigt und eingebaut. Auch die Inneneinrichtung haben wir grundlegend aufgearbeitet oder neu konstruiert. Danach kam die komplette Neulackierung des Wagenkastens sowie die Lackierung des ebenfalls überholten Fahrgestells im ursprünglich eisengrauen Farbton“, erklärt Ruhnau. Die Lackierung wurde dabei von professionellen Lackierern der EVAG übernommen. Eine große Herausforderung stellte die Instandsetzung der Schiebetüren dar, die in sage und schreibe rund zweihundertstündiger Arbeit rekonstruiert wurden. Hinzu kamen die komplette Neuinstallation der Wagenverkabelung sowie die Grundüberholung der elektrischen Komponenten und ihre messtechnische Überprüfung.

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Der Beiwagen 350 wurde vollkommen entkernt und dann die Karosserie neu aufgebaut und konserviert.

Die Geschichte des Beiwagens 350

Gebaut wurde der historische Beiwagen 350 im Jahr 1957 von der Düsseldorfer Waggonfabrik. Insgesamt bestellte die EVAG damals zehn Wagen dieses Typs, die unter den Wagennummern 341 bis 350 in Betrieb gingen. Der Beiwagen 350, auch als Verbandswagen bezeichnet, wurde ursprünglich hinter alten zweiachsigen Triebwagen aus der Vorkriegszeit eingesetzt. Seit den 60er-Jahren erfolgte der Einsatz dann auch hinter den vierachsigen Großraum- und den sechsachsigen Gelenktriebwagen. Im Zuge der Einführung des schaffnerlosen Betriebs wurde der Beiwagen 350 für den Einrichtungsbetrieb umgebaut; hierbei wurden die in Fahrtrichtung linken Türen dauerhaft verschlossen und die Türen auf der rechten Fahrzeugseite mit einem elektrischen Antrieb versehen.

Zum Glück nicht verschrottet

Nach nur 20 Jahren Einsatz wurden die Beiwagen ausgemustert – Gründe waren die Reduzierung des meterspurigen Straßenbahnnetzes in Essen und die Auslieferung der ersten Serie von Stadtbahnwagen vom Typ M8S. Während die meisten von ihnen umgehend verschrottet wurden, entschloss man sich, den Beiwagen 350 zu erhalten, um ihn gemeinsam mit dem 1974 abgestellten Triebwagen 888 als historischen Zug für besondere Anlässe und Veranstaltungen betriebsfähig zu erhalten. Optisch wurde der Wagen nur geringfügig verändert. So wurden alte Seitenblinker eingebaut und braune Vorhänge an die Fenster gehängt.

Ehrenamt – um die Geschichte der EVAG zu bewahren

Mit über 200 Mitgliedern ist der Essener Verein www.vhag-evag.de deutschlandweit einer der größten seiner Art. Gegründet wurde er am 22. Februar 1988. Doch angefangen hat alles schon 1974. „Der Triebwagen TW 888 aus der Nachkriegszeit war die Keimzelle der Bewegung“, erinnert sich Prof.  Hans Ahlbrecht, Gründungsmitglied und Ehrenvorsitzender des Vereins. Als der er 1974 ausgemustert wurde, schlossen sich Ahlbrecht und einige seiner EVAG-Kollegen zusammen, um sich für die Instandhaltung des Wagens einzusetzen. Die Geschichte der EVAG zu archivieren, aufzuarbeiten und darzustellen – das hat sich die die VHAG zur Aufgabe gemacht.

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Gaby Renz

Gaby Renz

15.03.2016