Nächster Halt Laos: Eine ungewohnte Busfahrt

Zum Jahreswechsel habe ich eine mehrwöchige Rucksackreise unternommen. Es  ging wieder nach Südostasien. Diesmal nach Laos.

Das liegt zwischen Thailand, Kambodscha und Vietnam. Das Land gehört zu den am wenigsten entwickelten Staaten der Welt, und ein Wirtschaftssystem, wie wir es kennen, gibt es dort nicht. Die Menschen sind Selbstversorger und ein Viertel der Bewohner lebt unterhalb der nationalen Armutsgrenze. Die Menschen dort sind aber sehr entspannt, höflich und begegneten mir mit großer Freundlichkeit. Selten habe ich so viele Menschen lächeln sehen.

Meine Reiseroute ging von Norden nach Süden, den Mekong-Fluss entlang. Im Süden wird der Mekong 14 km breit und es gibt dort über 4000 Inseln (Si Phan Don).   

Während der Reise habe ich mich mit öffentlichen Verkehrsmitteln fortbewegt. Davon möchte ich Euch hier erzählen. 

Der Busbahnhof

Angekommen in der Provinzhauptstadt Pakse wurde ich zum Busbahnhof gebracht. Zwischen mir und meinem nächsten Ziel lagen jetzt noch 150 Kilometer. Schon der erste Blick auf den Busbahnhof war gewöhnungsbedürftig: Alles war ziemlich kaputt, staubig und voller Müll. Bin ich hier richtig?

Die Busstation in Pakse

Die Busstation in Pakse

Busse sind zu sehen. Menschen sitzen auf Bänken und auf dem Boden und warten auf den Bus. Dann ist das hier wohl ein Busbahnhof. Ich gehe also zum Schalter, um ein Ticket zu kaufen. Dort sagt man mir, dass ich das Ticket beim Fahrer kaufen muss.

Das Transportmittel

Erwartet hatte ich einen Bus, wie ich ihn von meinen Thailand-Reisen kannte. Da gibt es gut ausgestattete Reisebusse, mit denen man bequem auch längere Strecken zurücklegen kann. Es kam aber anders.

Das Fahrzeug war nur ein umgebauter Pritschen-Laster. Auf der Pritsche gab es drei harte Holzbänke, auf denen (nach europäischen Maßstäben) jeweils sechs Personen sitzen können. Das Fahrzeug hatte schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel. Das sah man ganz deutlich. Vermutlich war das der Grund, warum sich ein deutsches Pärchen zunächst gar nicht traute einzusteigen.

Ein umgebauter Pritschen-Laster

Ein umgebauter Pritschen-Laster

Eigentlich sollte der Bus um 13.00 Uhr losfahren. Wir warten noch bis der Bus voll ist und fahren um 13.30 Uhr los.

Die Mitreisenden

Die Fahrgäste sind größtenteils Einheimische. Ganz normale Leute, die Besorgungen in der Provinzhauptstadt gemacht haben. Alle haben ziemlich viel Gepäck dabei: Reissäcke, große Kleidungsbündel, Elektrogeräte, Ersatzreifen usw. Der Fahrer befestigt die Gepäckstücke auf dem Dach.

Auch Hühner und Schweine reisen mit. Ja, genau, lebendige Hühner und Schweine! Denn leicht verderbliche Lebensmittel werden in Laos, wenn möglich, lebendig transportiert. Auf der Einstiegsrampe gibt es einen Korb, in dem die Fahrgäste ihre Ferkel verstauen. 

Korb mit Ferkeln

Korb mit Ferkeln

Als wir das erste Dorf erreichen, steigt eine alte Frau aus. Die nimmt dann ihr Ferkel aus dem Korb, steckt es in eine Plastiktüte und latscht in Richtung Dorf. So ein Gequieke!

Die Verpflegung

Der Bus hält in einem Dorf. Kinder stürmen auf den Bus zu und halten allerlei Proviant in den Bus. Gegrillte Tiere: Huhn, Schwein und irgendwelche Nagetiere am Spieß, die aussehen wie plattgefahrene Meerschweinchen. Außerdem Rüben, die bündelweise Absatz finden.

Rüben

Der ganze Bus mampft jetzt Rüben. Ich schaue interessiert zu und bekomme auch eine angeboten. Höflich esse ich auch eine Rübe. Die Kinder bekommen Schokokekse von mir.

Weiter geht die Fahrt. Wir werden ordentlich durchgerüttelt. An Schlaf ist nicht zu denken. Eine Bodenwelle lässt mich mit dem Kopf gegen das Dach stoßen. Ich muss mich festhalten. Bei Reisen in Länder wie Laos sollte man vor Fahrtantritt immer seinen Sitzplatz und die Decke gut inspizieren. Denn kleinere Reparaturen werden dort gern mit Nägeln oder Schrauben vorgenommen, die dann auf Kopfhöhe herausschauen.

Nächster Halt

Jetzt steigt ein kleiner Junge aus. Der Fahrer schaltet den Motor aus und ich höre ein Geräusch, das vorher nicht da war. Was ist das? Ein Tier?
In dem Moment kommt der Junge zurückgelaufen. Er greift unter meine Sitzbank und zieht ein Huhn hervor. Er klemmt es unter den Arm und läuft dann wieder in Richtung Dorf.

Korb mit Ferkeln

Korb mit Ferkeln

Es wird immer voller. Für jeden, der aussteigt, kommen jetzt zwei neue Fahrgäste hinzu. Sind wir mit 18 Personen gestartet, so sind es mittlerweile 25, die sich die paar Quadratmeter teilen. So viel Körperkontakt.

Ich denke mir: „Meine Güte. Wie kann man den Bus nur so voll packen.“

Dann hält der Bus an: Vier junge Männer aus Holland, die mit dem Fahrrad unterwegs sind, wollen nicht mehr weiterradeln. Sie fragen den Busfahrer, ob er sie mitnimmt. Kein Problem. Der Fahrer schnallt also die Fahrräder auf den Dachgepäckträger. Ein Radfahrer setzt sich auf das Dach, die anderen kommen mit auf die Ladefläche. Zwei Laoten machen Platz für sie. Die Laoten hängen sich von außen an den Bus und verbringen die restlichen zwei Stunden der Fahrt stehend auf der Trittleiter.

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Nach drei Stunden sind wir dann endlich in Ban Nakasan angekommen. Der Wagen wird entladen. Bezahlt wird bar beim Fahrer. Für Nicht-Einheimische kostet die Fahrt drei Euro. Das Erlebnis war aber unbezahlbar. Ich gehe zum Mekong. Das Boot wartet schon.

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Tim Krischak

28.07.2015