Busfahrerschulungen bei der EVAG: Inside GERT

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Peter Hoffmann testet den GERT

Wie fühlt es sich an, im Körper eines 80-jährigen zu stecken? Zum Beispiel mit 24 Kilo mehr Körpergewicht, wovon jedes einzelne Kilo beim Gehen und Atmen behindert. Dazu die Bewegungsfreiheit eingeschränkt durch Manschetten an Armen und Beinen, auf den Ohren noch Kopfhörer, die alle Geräusche und Stimmen abdämpfen. Das Sichtfeld wird durch eine Brille verkleinert. So ausgestattet soll Peter Hoffmann, seines Zeichens Fahrmeister bei der EVAG, nun versuchen in einen Bus zu steigen und sich eine Fahrkarte zu kaufen. Wir befinden uns nämlich zu Besuch bei einer Busfahrerschulung auf dem Betriebshof der EVAG an der Goldschmidtstraße.

 „Na das kann dauern“, seufzt Peter Hoffmann beim Einsteigen und kämpft sich langsam durch den Bus nach vorne in Richtung Fahrer.  Peter Hoffmann steckt in GERT, dem Alterssimulationsanzug der EVAG. Das Unternehmen hat zwei von diesen Anzügen angeschafft und will damit seine Bus- und Straßenbahnfahrer bei Schulungen für die Nöte von älteren Fahrgästen sensibilisieren. „Wir möchten so erreichen, dass sich die Kollegen besser in die alten Menschen hinein versetzen können, und wir wollen für mehr Verständnis werben, dass es zum Beispiel beim Ein-und Aussteigen länger dauert“, betont EVAG Pressesprecher Nils Hoffmann. „Der demografische Wandel vollzieht sich in Essen und im Ruhrgebiet schneller als anderswo. Die Senioren sind eine immer wichtigere Zielgruppe für uns. Darauf müssen wir uns einstellen.“

Wo ist nur das Kleingeld?

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Alterssimulationsanzug soll sensibilisieren

Alle fünf Jahre müssen die Busfahrerinnen und -fahrer der EVAG zu einer sogenannten Berufskraftfahrerweiterbildung, kurz  BKrFWB. Im Rahmen dieser fünftägigen Schulung wird neben vielen anderen Themen auch das Thema „besondere Fahrgastgruppen“ behandelt. Mit einem Tens-Gerät und Spezialbrillen zur Simulation von Sehbehinderungen, werden die Busfahrer in die Rolle von mobilitätseingeschränkten Fahrgästen versetzt. Besonders der Einsatz des Alterssimulationsanzuges (Gert) versetzt die Teilnehmer in den Zustand eines etwa 80-jährigen Fahrgastes. Darüber hinaus werden die Benutzung von Rollatoren, Gehhilfen und Rollstühlen direkt am Fahrzeug erprobt. Und was wird den Kollegen in Bezug auf ältere Fahrgäste noch vermittelt? Eine Frage, die Karl-Heinz Füssel, Leiter der EVAG Fahrschule am besten beantworten kann: „Beim Einsteigen sollen die Kollegen nah an die Haltestelle heranfahren, der Bus unaufgefordert abgesenkt werden (Kneeling), und Blickkontakt aufgenommen werden. Wenn Auskünfte erteilt werden, soll das geduldig und mit langsamer und mit deutlicher Aussprache erfolgen. Wenn es der Fahrplan zulässt, soll möglichst gewartet werden, bis der Fahrgast sicher sitzt.  Sanftes Anfahren, sanftes Bremsen wird ebenfalls geschult und wenn es ans Aussteigen geht, soll der ältere Fahrgast möglichst im Auge behalten werden.“

 

Die Fahrschule der EVAG

In der Straßenbahnfahrschule erfolgt eine bedarfsorientierte Grundausbildung zum Straßenbahnfahrer mit und ohne Personenbeförderung, die Befähigung U-Bahnen zu fahren sowie eventuell notwendige Nachschulungen. In maximal vier Lehrgängen pro Jahr werden bis zu 20 Personen/Jahr ausgebildet. Die Busfahrschule der EVAG ist eine Betriebsfahrschule und bildet ausschließlich für den eigenen Bedarf aus. Das bedeutet aber auch, dass die aktuell nicht zum Busfahrer ausbildet, sondern ausschließlich Mitarbeiter mit bereits vorhandenem Führerschein einstellt. Hauptaufgabe ist die Berufskraftfahrerweiterbildung nach Berufskraftfahrerqualifikationsgesetz (BKrFQVO). Denn im Rahmen der Führerscheinverlängerung müssen EVAG-Fahrer alle fünf Jahre in insgesamt 35 Stunden geschult werden (Fahrsicherheit, Notfälle, Gesundheit, ökologische Fahrweise, etc.)
Peter Hoffmann ist mittlerweile wieder in Zivil und fühlt sich sichtlich wohler in der Haut des Mitvierzigers. „Alles ist beschwerlicher, dauert länger und man fühlt sich in allem was man tut deutlich langsamer und auch irgendwie benachteiligt. Das ist schon eine beklemmende Erfahrung.“, so sein Fazit nach 30 Minuten in GERT.

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Olaf Frei

Olaf Frei

18.04.2016