Herbst – EVAG im Kampf gegen Laub auf den Schienen

Jedes Jahr kommen im Essener Stadtgebiet laut WAZ rund 4.000 bis 5.000 Tonnen Laub von den Bäumen. Dazu verstärkter Wind und das Laub stellt die EVAG alle Jahre wieder vor große Herausforderungen. Die Folge: die Bahnen verspäten sich und auch der Gesamtbetrieb kann dadurch empfindlich gestört werden. In diesem Jahr gibt es das Laub-Phänomen bestimmt wieder zu beobachten, wetten dass?

Saugwagen

Bernhard Melchers vom Via-Fuhrparkmanagement vor dem Saugwagen, auch „Lutsche“ genannt

Herbstlaub in Kombination mit jeglicher Feuchtigkeit erzeugt eine ziemlich glatte und schmierseifenartige Schicht auf den Gleisen. Dieser Schmier sorgt dann dafür, dass die Straßenbahnen oder Stadtbahnen nur schwer vorwärts kommen oder gar kapitulieren müssen. Wo das besonders gut zu beobachten ist? Klar, auf Strecken mit Gefälle, wie bei der U17 an der Margarethenhöhe eben.

Und jetzt wird es ein wenig technisch: der Film auf den Schienen reduziert nämlich den Reibwert zwischen Rad und Schiene, sodass die Kräfte nicht in gewohnter Weise übertragen werden können. Was geschieht? Stahl auf Stahl! Die Stahlräder der Fahrzeuge gleiten beim Bremsen über den Schienenstahl. Die Folge sind Schleifstellen an den Laufflächen der Straßenbahnräder. Das sind die sogenannten „Flachstellen“, die dann wieder mit der Mobiturn, einer Art mobilen Dreh-Schleifmaschine für Radreifen beseitigt werden müssen. Das wiederum bedeutet längere Standzeiten und Werkstatt-Aufenthalte. Ein weiterer Effekt: die durchdrehenden Stahlreifen verursachen beim Anfahren sogenannte Schleuderstellen auf den Schienen. Diese sind nicht ganz so gravierend, können aber langfristig nur durch Schweißarbeiten oder den Schienenaustausch beseitigt werden.

Mit Sand geht alles besser

Um den Reibwert zu erhöhen, wird besandet, also Sand vor die Räder geblasen. Jede Straßenbahn hat bis zu acht Sandbehälter von jeweils rund 20 Liter Fassungsvermögen. Die Besandung ist elektronisch geregelt. Der Sand wird, falls erforderlich, automatisch bei jedem Bremsen oder Anfahren (oder wenn die Stahlräder durchdrehen) in einzelnen Druckluftstößen von fünf bis zehn Sekunden auf die Schienen gestreut. Der Fahrer hat außerdem die Möglichkeit per Knopfdruck zu besanden. Bei den Straßenbahnen (Meterspur) werden die Sandbehälter täglich aufgefüllt bei den Normalspurwagen (U-Bahn) alle drei Tage. Würde man mit dem Stahlrad bei Nässe oder bei Laubfall auf der rutschigen Schiene ohne Sand bremsen, wäre das in etwa vergleichbar mit einem Auto, das auf Glatteis fährt.

Auch die Weichen bekommen etwas ab

Außerdem ärgerlich: das Laub klemmt sich immer wieder in die Weichen, worauf diese dann nicht mehr richtig anlegen, also in die endgültige Position gehen. Deshalb müssen sie immer wieder von Hand gesäubert werden. Das geschieht zum Beispiel ganz simpel mit der bewährten deutschen Allzweckwaffe gegen Laub und Dreck – dem Besen! Zur Not legt der Fahrer mit dem sogenannten Weichensteller selbst Hand an. All dies führt leider wiederum zu Verzögerungen im Fahrplan.

Schienenschleifwagen

Im Herbst oft im Eisatz: Ein Schienenschleifwagen der EVAG.

Deswegen sind die beiden EVAG-Schienenschleifwagen der Firma Windhoff im Herbst täglich im Streckennetz zu sehen. Sie sind rund um die Uhr im Einsatz. Einer ist für die Normalspur und einer für die Meterspur. Mit Ihren Schleifvorrichtungen und 20 Bar Anpressdruck (65 Bar wären möglich) befreien sie im Herbst die Schienen vom Herbstlaub. Die beiden Fahrzeuge sind nach einem festen Routenplan im Einsatz und werden dann zusätzlich nach Bedarf durch die Leitstelle gerufen, um bestimmte Streckenabschnitte zu reinigen. Leider können sie nicht überall sein, denn dafür ist das Streckennetz mit 50 km Straßenbahnstrecke und 19 km U-Bahn-Strecke einfach zu groß. Zudem sind die Fahrzeuge nicht immer durchgängig verfügbar, da es sich um zwei sensible Kerlchen, mit einer sehr anspruchsvollen Technik, handelt.

Die „Lutsche“, wie das Weichenreinigungsfahrzeug liebevoll von der EVAG genannt wird, ist mit einer Saug- und Wasserhochdruckeinrichtung ausgestattet, die mit 1.000 Bar die Gleise reinigen kann. Zusätzlich sind zurzeit noch zwei weitere Weichenreinigungsfahrzeuge unterwegs. Der Herbst kann also kommen. Schöner wäre es allerdings, wenn er ganz ausbliebe.

Autoren: Olaf Frei & Thorsten Schlautmann

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