EVAG historisch: 100 Jahre Gemeinschaftslinie Essen-Mülheim

Bei den ersten Fahrten standen nur Frauen an der Kurbel.

Am 3. Juli 1916, also mitten im Ersten Weltkrieg, fuhr zum ersten Mal die Straßenbahn der Linie 18 zwischen Essen und Mülheim. Seit 100 Jahren ist sie die schnelle Verbindung zwischen den beiden Städten. Weil die Männer im Krieg waren, wurden auf der Linie 18 – wie bei den anderen Linien auch – nur Fahrerinnen und Schaffnerinnen eingesetzt. Die Linie 18 ersparte den Fahrgästen das Umsteigen an der Stadtgrenze – und auch der Fahrschein galt ab sofort in beiden Stadtgebieten. Bis in die 70er-Jahre fuhr die Linie 18, bis sie im Mai 1977 durch die erste U-Stadtbahn-Versuchsstrecke zur U18 wurde.

Jubiläumsfahrten am 9. Juli 2016

Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums bietet die VHAG am Samstag, 9. Juli 2016, Fahrten mit der  historischen Straßenbahn an. Interessierte Fahrgäste können zwischen 11.00 und 17.00 Uhr mit dem TW 500 zwischen Essen und Mülheim fahren. Den genauen Fahrplan und weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite der VHAG EVAG.

Zudem bieten die VHAG EVAG und die VHAG MVG Tram-Shops an: Sie werden in den Bahnhöfen Hirschlandplatz und Mülheim Hbf von 11.00 bis 17.00 Uhr aufgebaut. Am Hirschlandplatz kann man außerdem eine Bildausstellung zum Thema „100 Jahre Linie 18“ sowie einen Teil der zukünftigen Museumsräume besichtigen. Hierzu gehören auch die im Bau befindliche Vereins-Modellbahnanlage im Raum 2 und eine Gast-Anlage im Raum 1, die ein echter Hingucker ist.

Die Gleise lagen schon früher

Bereits im Jahre 1910 nahm die Straßenbahn Mülheim a. d. Ruhr ihre Strecke vom Heißener Bürgermeisteramt bis zur Stadtgrenze Frohnhausen in Betrieb. Die Süddeutsche Eisenbahngesellschaft, Abt. Essener Straßenbahnen – so bis 1954 der Name der Essener Verkehrs-AG – stellte dort 1913 die Gleisverbindung her, allerdings musste bis zum 3. Juli 1916 dort umgestiegen werden. Fortan bestand mit der Straßenbahnlinie 18 vom Essener Kopstadtplatz über die Kruppstraße und Heißen eine schnelle Verbindung zwischen den Stadtkernen von Essen und Mülheim und anfangs weiter bis nach Styrum.

Fahren ohne Strom im Zweiten Weltkrieg

Ein umfangreiches Vertragswerk regelte den Betriebsablauf und die Aufteilung der Fahrgeldeinnahmen zwischen den beiden Betrieben, so dass mit einem in Mülheim gekauften Fahrschein auch nach Essen und umgekehrt gefahren werden konnte. Die schweren Bombenangriffe des Jahres 1944 und die damit verbundenen Zerstörungen insbesondere der Oberleitungen ließen keinen elektrischen Betrieb mehr zu, so dass die Straßenbahnwagen zwischen Wickenburg und Freiheit zwischenzeitlich von meterspurigen Dampflokomotiven gezogen wurden. Nur langsam kehrte nach dem Zweiten Weltkrieg und der Beseitigung der größten Kriegsschäden wieder ein geregelter Betriebsablauf zurück.

Porscheplatz_1950er

1950: Der Porscheplatz in Essen.

Die Endstellen wechselten

Die Endstellen der Linie 18 wechselten im Laufe der Jahre immer wieder, die meisten Jahre verkehrte sie jedoch zwischen Mülheim-Uhlenhorst und Essen Hbf und seit Mitte der 50er-Jahre weiter nach Steele bzw. Kray. Im Dezember 1949 kam die Linie 8 zur Verstärkung hinzu. Vom 18. Mai 1952 an gab es werktags zwischen Essen Hbf bzw. Porscheplatz und Mülheim Stadtmitte/Bahnstraße einen Schnellverkehr der Linie D, welche nicht an allen Haltestellen anhielt und somit eine geringere Fahrzeit benötigte; der zu entrichtende Zuschlag brachte aber nicht die erwünschte Fahrgastnachfrage, so dass diese Linie am 7. April 1958  letztmalig fuhr.

Zum Einsatz kamen auf der Linie 18 ab 1952 vorwiegend die modernen Großraumwagen und später auch die sechsachsigen Gelenkwagen. Die Züge wurden anteilig von den Betrieben der Stadt Mülheim an der Ruhr und den Essener Straßenbahnen gestellt. Von 1972 an befuhren die Linien 8 und 18 die unterirdische Straßenbahnhaltestelle Mülheim Hbf, die dort im Rahmen des Baus der Tunnelstrecken entstanden war. Heute befindet sich an dieser Stelle die unterirdische Omnibushaltestelle.

Hobeisenbrücke_1960er

Die Hobeisenbrücke in den 60er-Jahren.

Eigener Bahnkörper in den 60er-Jahren

Der tiefgreifende Umbau der Kruppstraße zum kreuzungsfreien Ruhrschnellweg in den 60er-Jahren ermöglichte die Einrichtung eines eigenen Bahnkörpers für die Straßenbahn im Mittelstreifen der Tiefstraße. Die zeitgemäßen  Haltestellen  waren über großzügige Treppenaufgänge erreichbar. Obwohl dieser Ausbau erst im Jahre 1966 abgeschlossen wurde, kam es schon 1974 zu gravierenden Veränderungen: Der Umbau dieser beispielhaften Schnellstraßenbahn zur „Versuchs- und Modellstrecke“ der Stadtbahn Rhein-Ruhr mit Normalspurgleisen und modernen Stadtbahnwagen erforderte von April 1974 bis Pfingsten 1977 einen Ersatzverkehr mit Omnibussen der Linie 58. Die Linie 18 verschwand und die Linie 8 wurde auf den Abschnitt Uhlenhorst – Mülheim Hbf – Heißen Kirche verkürzt.

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An der Savignystraße begrüßen Kinder 1977 die neue Stadtbahn.

Attraktive Srtadtbahnverbindung

Im Mai 1977 wurde die Linie U18 als moderne und vom Individualverkehr unabhängige Stadtbahn zwischen dem Wiener Platz in Essen (heute Hirschlandplatz) und Heißen Kirche feierlich in Betrieb genommen. Die Verlängerung von Heißen Kirche zum Mülheimer Hauptbahnhof am 4. November 1979 beendete den oberirdischen Straßenbahnverkehr zwischen Mülheim Hbf und Heißen Kirche. Am 27.  November 1981 wurde die Linie U18 vom Wiener Platz um eine Station zum Berliner Platz verlängert. Mit der Linie U18 besteht eine attraktive Stadtbahnverbindung zwischen den Zentren von Essen und Mülheim, die von Januar 2010 bis September 2011 zur Verstärkung der Linie U11 bis zum Karlsplatz in Altenessen verlängert wurde. Zum Einsatz kommen neben den zwischen 1976 und 1985 beschafften 31 Stadtbahnwagen B80 auch die 21 Fahrzeuge vom Typ Docklands der Baujahre 1986 und 1989.

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Breslauer Straße, 2008.

Fotos: EVAG VHAG

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Gaby Renz

Gaby Renz

05.07.2016