EVAG-Gleisauswechslung: Millimeterarbeit für tonnenweise Stahl – Teil 1

Fährt die Bahn auf einer separierten Trasse, handelt es sich um Vignolschienen

Fährt die Bahn auf einer separierten Trasse, handelt es sich um Vignolschienen

Ein Beitrag zum Thema Gleisauswechslung? Klar, kein Problem, denke ich und erkundige mich bei Markus Rohrbeck, dem stellvertretenden Leiter der Abteilung Bau von Gleisanlagen. Doch schon nach wenigen Sekunden nimmt mir dieser mit nur einer Frage den Wind aus den Segeln: „Welche Art der Gleisauswechslung meinen Sie denn?“
Ähm… Welche Art? Gibt es da mehrere? Spätestens jetzt wird mir klar: Eine Gleisauswechslung ist keine einfache Geschichte, denn Gleis ist nicht gleich Gleis. Also fange ich von gaaanz vorne an.

Schiene, Joch und Gleis

Ein Gleis besteht aus Schwellen und zwei parallel verlaufenden Schienen. Man unterscheidet dabei zwischen Vignol- und Rillenschienen. Die Merkmale der einzelnen Schienenarten wurden bereits in einem früheren Blogpost http://blog.ruhrbahn.de/von-gleisen-und-schienen-bei-der-evag/ detailliert beschrieben.

Hier nochmal das Wichtigste in Kürze: Eine Rillenschiene wird in den Asphalt eingelassen und kommt somit immer dann zum Einsatz, wenn sich die Straßenbahn die Straße mit den Autos teilt. Fährt die Bahn aber auf einer separierten Trasse, handelt es sich um Vignolschienen.
Vignolschienen werden an mehreren hintereinander liegenden Schwellen befestigt, die dafür sorgen, dass die Spurbreite konstant eingehalten wird. Bei den Rillenschienen übernehmen die sogenannten Spurstangen diese Aufgabe. „Natürlich könnte man alle Teile vor Ort auf der Baustelle zusammenfügen. Schneller geht es aber, wenn mit vorgefertigten Gleisstücken, die wir Joche nennen, gearbeitet wird. Diese werden dann wie ein Baukasten zusammengesetzt“, erklärt Markus Rohrbeck.
Ein Gleisjoch ist übrigens 18 Meter lang. So viel Stahl wiegt natürlich eine ganze Menge. Ganze 60 Kilogramm bringt eine Rillenschiene pro laufenden Meter auf die Waage. Auf 18 Meter hochgerechnet und verdoppelt (es gibt ja zwei Schienen pro Gleis) ergibt das nach Adam Riese 2,16 Tonnen Stahl. Das Gewicht der Spurstangen kommt on top.

Tonnenweise Stahl wird verlegt

Tonnenweise Stahl wird verlegt

Doch das ist nichts gegen die Masse eines Vignolgleises. Die Vignolschiene alleine wiegt zwar „nur“ 50 Kilo pro Meter, dafür hat eine Schwelle ein Gewicht von sage und schreibe 150 bis 200 Kilo. Für ein Joch werden 27 Schwellen benötigt. Insgesamt sind das also sechs bis sieben Tonnen. Aber wie kommen diese Tonnen von Stahl auf die Straße?

Planung ist das A und O

Zunächst sind die Kollegen der Abteilung Planung von Gleisanlagen und Haltestellen gefragt. Abteilungsleiter Michael Szamlewski überlässt dabei nichts dem Zufall: „Die erste Frage, die wir uns bei einer Gleisbaumaßnahme stellen, ist: Wo befindet sich das betroffene Gleis? Denn sollte es sich in der Nähe einer Haltestelle befinden, bauen wir diese im Zuge der Gleisbaumaßnahme barrierefrei um.“
Sobald alle nötigen und möglichen Baumaßnahmen feststehen, klären die Kollegen, wie die Gleisauswechslung umgesetzt wird. Der laufende Betrieb soll dabei so wenig wie möglich gestört werden. Wenn die Situation es hergibt, werden deshalb sogenannte Bauweichen eingesetzt, die es ermöglichen, dass ein Streckenabschnitt eingleisig in beide Richtungen befahren werden kann, während am zweiten Gleis gearbeitet wird. „Das ist die einfachste Variante“, sagt Szamlewski. „Doch in Essen ist das leider in den meisten Fällen nicht möglich. Die Straßen sind zu schmal, sodass sich Bahn und Individualverkehr in die Quere kommen.“

Uns bleibt dann nichts anderes übrig, als den gesamten Streckenabschnitt zu sperren und einen Schienenersatzverkehr einzusetzen.

Um die Einschränkungen für die Fahrgäste möglichst gering zu halten, finden die Gleisauswechslungen deshalb meist in den Ferien statt. Der Zeitplan für den Austausch der Gleise ist also eng gestrickt. Umso wichtiger ist es, dass auf der Baustelle jeder Handgriff sitzt…

Teil 2 wartet am kommenden Dienstag hier auf Sie.

 

 

 

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Jennifer Röder

Jennifer Röder

03.05.2016