Achtung Zwangsbremsung – Neue digitalisierte Prüfanlage der Ruhrbahn

Achtung, Zwangsbremsung! Aber kein Grund zum Festhalten – die Bremsen unserer Straßenbahnen werden nicht während der Fahrt, sondern im Stand getestet. Genauer im Gleis 21 unserer Straßenbahnwerkstatt in der Essener Stadtmitte. Dort ist die neue so genannte Fahrsperren-Prüfanlage in Betrieb, die hier täglich die Funktion der Zwangsbremsung überprüft. Diese wird durch die magnetischen Fahrsperren immer dann ausgelöst, wenn ein Halt zeigendes Signal innerhalb unserer Zugsicherung sozusagen ungewollt überfahren wird. Die Tram wird dann zwangsgebremst. Dadurch werden Zusammenstöße und Auffahrunfälle vermieden. Aber auch Fehlfunktionen wie eine unbegründete Zwangsbremsung im Verkehr werden so verhindert. Die tägliche Überprüfung der Fahrsperren ist verpflichtend und sicher kein Grund zur Sorge: „Die Fahrsperren sind sehr zuverlässig und bestehen die Prüfung so gut wie immer. Die Fehlerwahrscheinlichkeit liegt nahezu bei null“, erklärt Jörg Lamers, Bereichsleiter Telematik und Prozesstechnik.

Unter dem Asphalt steckt viel Technik

Auf den ersten Blick ein ganz normales Gleis. Aber unter dem Asphalt verstecken sich Magnetschleifen und Sensoren.

Die Prüfanlage besteht aus einem 30 Meter langem Gleis in das eine Magnetschleife verbaut ist, die eine Zwangsbremsung auslöst. Die gelben Haltelinien dienen zur richtigen Positionierung der Bahn, denn die Schienenbremsen der Bahn müssen sich genau über den im Boden eingelassenen Sensoren befinden. Zwei Monitore visualisieren den Prüfvorgang jeweils im Sichtfeld der beiden Fahrkabinen. Im Schaltschrank der Anlage laufen die vielen benötigten Kabel zusammen.

Im Schaltkasten wird die Technik sichtbar. Dieser ist aus Schutz vor Feuchtigkeit, Sand und Kälte mit einer Lüftungsanlage und einer Heizung ausgestattet.

Prüfvorgang unter einer Minute

Zunächst wird das induktive Meldungsübertragungssystem (IMU) überprüft. Die IMU-Kennung übermittelt Linie, Kurs und Ziel der Bahn. Damit werden auf der Strecke die Weichen gesteuert. Sobald die IMU-Kennung auf dem Monitor der Prüfanlage empfangen wird, werden die beiden Weichentaster getestet. Diese werden genutzt, um ein Ausfahrtssignal oder Streckensignal anzufordern. Funktionieren diese, wechselt das entsprechende Feld auf dem Monitor von Rot auf Grün.

Einer von zwei Monitoren: Die Bahn ist richtig positioniert und die IMU-Kennung (05 99 50) wurde erkannt. Nun kann der Prüfvorgang beginnen. Erste Anweisung: Linken Weichentaster betätigen!

Dann wird die Zwangsbremsung geprüft. Hierzu erzeugt die Magnetschleife im Gleis ein Magnetfeld, das die Zwangsbremsung über den Fahrzeugmagneten auslöst. Dann wird es laut! Über die Sensoren im Boden wird das Fallen der Bremsklötze registriert und ebenfalls über den Monitor mit einem grünen Feld bestätigt. Anschließend kann direkt der zweite Kopf der Bahn getestet werden. Das ist ein immenser Vorteil zur 20 Jahre alten benachbarten Prüfanlage, die auch noch in Betrieb ist. Denn dort müssten die Bahnen noch gewendet werden, um beide Köpfe zu prüfen.

Einfache Bedienung

Über die Weichentaster in der Fahrkabine der Straßenbahn (blaue Schaltflächen) wird die Prüfung der Fahrsperren über die Monitore gesteuert.

„Uns waren vor allem eine intuitive Bedienung und einfache Visualisierung wichtig. Durch die Monitore werden die Kolleg*innen nicht nur leicht verständlich angeleitet, sondern erhalten durch die verbauten Sensoren auch eine genaue Rückmeldung, welcher Fehler eventuell vorliegt“, erklärt Projektleiter Helmut Bitter aus der Abteilung Signaltechnik. Die gesamte Anlage wurde von dieser Abteilung geplant, programmiert und getestet. Abteilungsleiter Ingolf von Seht freut sich über das gelungene Projekt: „Durch die interne Umsetzung konnten auch unsere Auszubildenden bei der Verkabelung der Steuerung helfen und viel dabei lernen. Außerdem konnten wir den Prüfprozess der Fahrsperren deutlich verbessern und beschleunigen.“

In Zahlen bedeutet das: 69 Bahnen werden jetzt täglich in der neuen Anlage geprüft. Da dort direkt beide Straßenbahnköpfe getestet werden, sind das insgesamt 138 Prüfvorgänge – also 138-mal pro Tag: Achtung, Zwangsbremsung!

 

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Carolin Weidner

25.08.2021