In der EVAG-Sattlerei: Alles für den Allerwertesten

Sattlerei SchablonenEs ist 6.30 Uhr und noch dämmrig draußen. Ich bin auf dem Weg zu Thomas Nagel. Die Tür ist schon offen, und das Licht in der EVAG-Sattlerei knallt mir in die Augen wie die heiße Mittagssonne im spanischen Sommer. „Ich muss ja sehen, was ich mache“, grinst Thomas über mich. Seit über zwanzig Jahren macht er engagiert die Bestuhlung in den Schienenfahrzeugen „neu und wieder schön“, wie er sagt. 

Täglich gehen in der Sattlerei je nach Fahrzeugtyp 30 bis 75 Sitze für Schienenfahrzeuge über den Tisch. Sie sind verschlissen oder wurden zerstört und werden nun repariert. Der Polsterstoff wird abgezogen, neuer Stoff wird zugeschnitten. Die nackte Schale geht in die Absauganlage. Das neue Stoffstück und die Sitzschale werden dort per Sprühklebepistole mit Kontaktkleber besprüht. Sobald der Kleber getrocknet ist, wird der Sitzbezug aufgelegt und faltenfrei von Hand eingeklebt. Sitze mit Polster erhalten zusätzlich zugeschnittenen Formschaum. Selbstgefertigte Schablonen helfen Thomas beim Zuschnitt der Bezüge für die zig Sitzmodelle. Auch Sitzschalen, Arm- und Rückenlehnen von Fahrersitzen werden hier erneuert und instand gesetzt. Für zehn Sitze wird etwa ein Liter Kleber durch die Pistole geschossen und verklebt.

Schneidern, Nähen, Kleben und Polstern

Irgendwie läuft hier was falsch herum – Nähmaschinen sorgen bei Thomas Nagel für Glanz in den Augen. Und bei mir so gar nicht. „Meine Große“, spricht er stolz. Mit ihr näht er Maschinenabdeckungen für Innenräume und wetterfeste Planen für den Außeneinsatz. Diese schützen dann den LKW vor Feuchtigkeit und Nässe genauso wie die Untergestelle von Straßenbahnen, die draußen geschützt gelagert werden müssen.

Bequem sitzen sollen Fahrgäste und auch EVAG-Mitarbeiter: So werden bei Thomas Nagel in der Sattlerei Stühle für Sitzungszimmer und Aufenthaltsräume ebenso überarbeitet und neu bezogen wie auch lederne Bürostühle mit Drehgestell und Rollen. 

Thomas Nagel

Thomas Nagel: in seiner Freizeit gerne „ready to race“.

In seiner Freizeit sattelt der gelernte Fahrzeugsattler übrigens um: auf vier Räder und jede Menge PS. In der Youngtimer-Serie ist Thomas mit seinem VW-Polo Baujahr 1975 auf allen großen Rennstrecken deutschlandweit zu Hause.

Beeindruckt ziehe ich wieder los – zur Hauptverwaltung, in unseren „Erzhof“ und Thomas Nagel hat’s geschafft: Diese Sache mit der Nähmaschine rattert nun durch meinen Kopf.

 

 

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Sylvia Neumann

Sylvia Neumann

12.06.2015